BÜRGERINITIATIVE

Freunde der Kastanienallee Levetzowstraße in Berlin - Moabit 

 

Wir kämpfen für den Erhalt der Kastanien


Sommer 2019 – werden die Kastanien die Hitze und Trockenheit überstehen?

Liebe Freunde der Kastanien in der Levetzowstrasse,

der Sommer 2019 trifft Berlin wieder mit extremer Hitze und Trockenheit. Gab es im Mai noch einige Regengüsse, so scheinen die Wolken im Juni über Berlin nur hinweg zuziehen, ohne das benötigte Wasser abzulassen. Temperaturen von 38 Grad scheinen keine Seltenheit mehr zu sein. Es ist ein Klima entstanden, das unsere Nordeuropäischen Pflanzen und Bäume extrem unter Stress setzt und dem Boden die Feuchtigkeit bis in ungeahnte Tiefen entzieht. Selbst die älteren Bäume mit ihren, über lange Jahre gewachsenen Wurzel-Netzwerk erreichen kein Wasser in den Tiefen des Erdreiches mehr. Entsprechend angeschlagen und bereits mit braunen Blättern sehen etliche Kastanien auf Levetzowstrasse bereits aus, weil sie auch die Folgen des heißen Sommers 2018 noch nicht überwunden haben.

 

Von oben gesehen - dieKastanien in der Levetzowstrasse
Von oben gesehen ziehen sich die Kastanien wie ein grünes Dach über die Levetzowstrasse. Im Sommer spenden sie angenehmen Schatten und kühlen die Asphalt Atmosphäre ab! Foto: Sabine Bechinger

Was sagt das Straßen- und Grünflächenamt zu der Situation

In unserer Kommunikation mit Herrn Leder, dem Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes Mitte, erklärte er uns am 25. Juni, dass zunächst die Straßenbäume vom 1-5 Standjahr gegossen wurden. Ende Juni / Anfang Juli wird die Bewässerung erweitert und auch Bäume von 6-10 Standjahr werden gegossen.

In der Levetzowstraße wurde nicht nur im Frühjahr gedüngt, sondern auch an mehreren Punkten der Allee Feuchtesensoren eingebaut. Zum Ende des Monas Juni sind – nach Aussagen Herrn Leders- die Werte des Bodens noch in einem Bereich sein, der eine Bewässerung dieses alten Bestandes notwendig macht. Der Bereich in einer Tiefe von 30-60 cm trocknet jetzt ab, in 90 cm Tiefe haben wir mit der Trockenheit des letzten Sommers zu kämpfen. Das Straßen- und Grünflächenamt beobachtet, wie der Boden in den nächsten Wochen weiter abtrocknen wird, oder wir durch eine Wetter Umstellung ab Mitte Juli ergiebige Niederschläge erhalten werden.

 

Aktualisierung vom Strassen- und Grünflächenamt Mitte vom 01.07.2019:

"Man muss für den Baum in der Stadt ein eigenes Verständnis entwickeln. Der lebensfeindlichste Raum für einen Baum ist der Straßenraum. Alle Bäume die in Baumscheiben stehen sind im Alter nicht mehr bewässer- oder düngbar weil die Faserwurzeln die Wasser aufnehmen können unter den Belägen liegen. Diese holen sich ihr Wasser aus feuchten Sanden und in Altbaugebieten aus defekten Regenwasserableitungen und Hausanschlüssen. Deshalb sehen die Altbaumbaumbestände dort auch besser aus als in den Neubaugebieten. Wässern können Sie nur Altbäume in Mittelstreifen oder unbefestigten Unterstreifen. Unser Augenmerk muss auf den Jungbäumen liegen denn hier liegt die Zukunft eines grünen Berlins, viele Altbäume haben ihr biologisches Alter erreicht, wenn wir jetzt die jungen Bäume vernachlässigen würden hätte dies schlimme Folgen für den zukünftigen Bestand, denn es ist heute weit schwerer eine Baum groß zu bekommen und somit die Bestände stabil zu halten als noch vor 20 Jahren."

 

Im Frühjahr 2019 bekamen die Kastanien in der Levetzowstrasse eine Düngung. Foto: Anette Wörner
Im Frühjahr 2019 bekamen die Kastanien in der Levetzowstrasse eine Düngung. Foto: Anette Wörner

Sind Mittelmeer-Arten eine Alternative für die Berliner Bäume

 In der Berliner Morgenpost erschien am 05.06.2019 ein Artikel über die „Natur im Hitzestress“, der die Frage behandelt, ob aufgrund des Klimawandels Bäume in Berlin Mittelmeer-Arten weichen sollen. Zu lesen ist der Artikel hier. Gesprochen wird hier über den Amberbaum, Hainbuche oder der Französischen Ahorn als Alternative zur Berliner Pappel, Kastanien und Linde, wobei die letzten beiden Arten die deutlichen Verlierer des Klimawandels sind.

Hier erklärt uns Herr Leder, dass diese Arten bereits teilweise schon über 30 Jahre gepflanzt werden und sich hier zeigen muss ob es wirklich die erhofften Baumarten sind die in der Innenstadt mit den klimatischen Bedingungen zurechtkommen.

 

Was die Levetzowstrasse angeht werden jedenfalls keine Kastanien mehr nachgepflanzt, so dass unser alter Bestand wohl die letzten sein werden, die wir vor unserer Haustür sehen werden. In ganz Berlin wird diese Baumart wohl in den nächsten Jahrzehnten ganz aus dem Stadtbild verschwinden.

Die gute Nachricht ist, dass Bäume erst gefällt werden, wenn es nicht mehr zu vermeiden ist und es keine Fällungen in Mitte geben wird, um nur einen Baum gegen eine andere Baumart auszutauschen

 

Wie es weitergehen soll

Die anhaltende Trockenheit und die damit verbundene Wasserarmut der Böden ist im Moment das Hauptproblem in Berlin. Laut Aussage des Straßen- und Grünflächenamtes kann die Situation für Juli und August noch nicht abgeschätzt werden, da alle Wettermodelle hierzu noch keine Anhaltspunkte liefern die ein klare Aussage zulassen.

 

Das Amt konnte im letzten Jahr aus den Sondermitteln seine Technik teilweise erneuern. Es fehlt jedoch noch ein größeres Fahrzeug - was auch angemeldet ist - aber hierfür müssen die Mittel bereitgestellt werden. Sollten diese (Mittel) in diesem Jahr noch fließen, steht das Fahrzeug aber erst 2020/21 zur Verfügung, weil die Lieferzeiten der Hersteller extrem lang sind.

 

Um die Mitarbeiter zu entlasten wollten und es auch wirtschaftlich vertretbar wurden Fachfirmen für die Bewässerung von Neupflanzungen frühzeitig gebunden, da weiterhin die (Baum-) Abgänge mit Neupflanzungen ausgeglichen werden müssen.

 

Um wirklich einen Pflegezustand zu erreichen wie ihn Berlin noch Anfang der neunziger Jahre hatte, müssen die Ämter mittelfristig gestärkt werden und die Defizite in den nächsten 10 Jahren ausglichen werden. Bäume verzeihen eine Mangel-Pflege nicht so schnell und Herr Leder geht davon aus, dass Berlin zu den 20.000 Straßenbäumen zwischen 2012 und 2018, bis 2025 nochmals 30.000 Straßenbäume verlieren wird bevor es dann langsam wieder aufwärts geht.

 

Die Kastanien in der Levetzowstrasse im Juli 2019
Im Juli 2019 sieht man bereits die ersten braunen Kronen an den Kastanien. Die Hitze und die Trockenheit schaden den Bäumen enorm. Foto: Sabine Bechinger

Ein Lichtblick für das Grün der Berliner Bezirke ?

Am 26.06.2019 wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, die besagt, dass die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz den Bezirken auch in diesem Jahr Gelder für die zusätzliche Bewässerung von Straßenbäumen zur Verfügung stellt:

 

Insgesamt steht rund eine Million Euro bereit; für jeden Bezirk 80.000 Euro.

 

Zudem hat sich die BSR wie im Vorjahr bereit erklärt, die Bezirke mit zusätzlichen Wässerungsleistungen zu unterstützen. Hierfür wurde mit der BSR eine entsprechende Rahmenvereinbarung abgeschlossen.

So hoffen wir und so haben wir es auch in der Kommunikation mit dem Straßen- und Grünflächenamt betont, dass auch die Kastanien in der Levetzowstrasse trotz ihres Alters in den Genuss von diesen Bewässerungsaktionen kommt.

 

Denn für uns ist die Logik hinter dem nicht intensiv geförderten Erhalt auch älterer Bäume nicht klar: kosten das Abholzen der alten, der Einkauf, das Pflanzen, das Einrüsten und die intensive Pflege der neuen Bäume in den ersten Jahren doch umso vieles mehr als der längere Erhalt von bereits vorhandenen Baumbepflanzungen!

 

Aktualisierung vom Strassen- und Grünflächenamt Mitte vom 01.07.2019:

Die oben erwähnten 80.000.- sind bereits komplett verplant für Technik und beauftragten Arbeiten und somit praktisch schon ausgegeben für alle Grünanlagen im Bezirk.

 


Engagement für die Bäume im Kiez

Im Moabiter Kiez gibt es viele Orte, wo das Bürgerengagement gefragt ist und Menschen sich für die bedrohten Grünanlagen einsetzen. Beispiele dafür sind der geplante Spree-Radweg am Ufer des Spreekanals, wo ein breites Betonband das Grün ersetzen soll (Rettet das Spreeufer). Oder das Abholzen alter Bäume aufgrund von rücksichtsloser Wohnraumverdichtung (Silberahorn). Oder die Kollateralschäden an Bäumen durch Verkehr und Sturmwinde.

 

Die Bäume haben keine Stimme und die wollen wir ihnen geben, damit unser Kiez grün und lebenswert bleibt.

Blühende Kastanien in der Levetzowstrasse im Mai 2018
Im Mai blühen die Kastanien im großen Überfluss und zaubern ein grünes Dach über der Levetzowstrasse. Foto: Stefan Zobel

Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte vom 11. März 2018

Kontaktieren Sie uns:

Schreiben Sie uns eine Nachricht!

kastanienfreunde@gmx.de


Die nächsten Termine:

2019

Derzeit liegen keine Termine vor. Wir werden die Freunde der Kastanien auf der Levetzow-strasse hier frühzeitig über anstehende Aktionen und Termine informieren.


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Erholung im Freien ermöglichen – Sitzbänke im Westfälischen Viertel erhalten!

Beschlüsse des Bezirksamtes vom 05.06.2018 - 69./V. Sitzung.

Hier können Sie den Beschluss einsehen!

Donnerstag, 7.6.2018, 17.30 bis ca 19:00 Uhr

Bezirksstadträtin Sabine Weißler  lädt ein zur Informationsveranstaltung zur Wieder-herstellung der Gedenkstätte Synagoge und Mahnmal Deportation Levetzowstraße

Hier geht es zur Pressemitteilung

Bürgerinitiative in Moabit

Rettet das Spreeufer!

Beantwortung der Fragen durch das Straßen- und Grünflächenamt (SGA)

Informationsveranstaltung am 12.03.2018

Petition auf Change.org

STOPP zur Baumfällung am Spreeufer!